Klein ganz groß - Rund um die Makrofotografie. Auch etwas für Dich?

Wer kennt das nicht: Du sitzt im Garten und auf einmal entdeckst du eine schöne Pflanze, die gerade blüht. Dann setzt sich dort noch Hummel, Biene, Schmetterling & Co. ab.

 

 

Und wenn Du das dann fotografieren willst, fangen die Schwierigkeiten an …

 

 

In diesem Beitrag möchte ich mal ein bisschen zur Makrofotografie erzählen und warum ich diese – wie Du vielleicht bereits gesehen hast – spannend finde. Ich gehe dabei mehr auf die technischen Aspekte ein. Neben diesen sind natürlich das "Sich-Zeit-nehmen" und die "Geduld" weitere Bausteine der Makrofotografie. 

 

Was brauchst du?

 

Um gleich ehrlich zu sein: Für gute Makrofotos benötigst du auf jeden Fall eine Kamera, die Du manuell einstellen kannst und ein geeignetes Objektiv. Wenn du bei Blüten und Pflanzen auch einmal Dein Smartphone austesten kannst, wird dir das spätestens bei beweglichen Tieren nicht mehr gelingen.

 

 

Das Objektiv

 

Hier empfiehlt sich ein Objektiv, dass einen hohen Abbildungsmaßstab besitzt. Was bedeutet das? Der Abbildungsmaßstab ist das Verhältnis zwischen der Abbildungsgröße Deines Objekts (z.B. eine Biene) auf dem Sensor und der realen Größe deiner Biene. Ein Abbildungsmaßstab von 0,5 bedeutet, dass Deine Biene halb so groß abgebildet wird, wie sie tatsächlich ist. Andersherum kann man auch sagen, dass das Realobjekt „Biene“ 2-mal größer ist als die Abbildung. Daher ist das Verhältnis 1:2: Dieses Verhältnis wird Dir bei Objektiven als max. Abbildungsmaßstab angegeben.

 

 

Mein Objektiv, das ich verwende, ist das Tamron SP 90mm F/2.8 Di VC USD MACRO 1:1. Dieses besitzt einem max. Abbildungsmaßstab von 1:1 (je näher Du an dem Objekt bist. Aber Achtung: Näher als 0,3m geht es nicht - Naheinstellgrenze). Die 90 mm (ca. 135mm an APS-C) eignen sich gut, um bewegliche Insekten mit ausreichend Entfernung (beachte die Fluchtdistanz der Tiere) zu fotografieren. Für Blumen oder Stillleben reichen auch 60mm Objektive aus.

 

Du hast kein Makroobjektiv: Probiere es mal mit einem anderen Objektiv. Es eignen sich auch solche mit langen Brennweiten (ab 200mm an APS-C).

 

 

Stativ und Fernauslöser

 

Weiterhin empfiehlt sich für die Makrofotografie, ein Stativ zu benutzen. Nur so kannst du die auch minimalen Wackler, die bei so großen Abbildungsmaßstäben bereits zu Unschärfen führen können, vermeiden. Verwende am Besten zum Auslösen einen Kabel- oder Funkfernauslöser.

 

Und Achtung: wenn Du ein Objektiv mit Bildstabilisator hast, schalte diesen auf dem Stativ aus.

 

Das Tamron 90mm-Objektiv.
Das Tamron 90mm-Objektiv.

Bedingungen?

 

Wann kannst du am Besten Makrofotos aufnehmen? Damit du ausreichend Licht hast, auch bei etwas größerer Blendenzahl (warum das wichtig ist, erkläre ich weiter unten), empfehle Ich Dir Makroaufnahmen in der Sonne zu machen. Besonders warmes Licht erhältst du dabei am frühen Morgen und am Nachmittag. Das hat zwei Vorteile:

 

Kameraeinstellungen?

  1. kannst du den ISO-Wert niedrig halten (ISO 100-200). So hast du nur geringes Bildrauschen und du kannst eine optimale Schärfe im Bild erreichen.
  2. kannst Du gleichzeitig auch eine kurze Verschlusszeit einstellen, sodass sich bewegende, z.B. fliegende oder krabbelnde Tiere noch „eingefroren“ werden (z.B. 1/1000stel). Orientiere dich hier bei je nach Licht und Blende an der Belichtungswaage.

 

 

Negativbeispiel: Die Verschlusszeit ist zu lang, sodass die Flügel nicht mehr eingefroren abgebildet werden [1/500s, f/4,2, ISO 800].
Negativbeispiel: Die Verschlusszeit ist zu lang, sodass die Flügel nicht mehr eingefroren abgebildet werden [1/500s, f/4,2, ISO 800].

  • Die Blende solltest Du nicht zu weit öffnen. Es empfiehlt sich sogar etwas höhere Blendenzahlen zwischen 5 und 11 zu wählen. So hast du bei der Nähe zum Objekt noch immer geringe Schärfentiefe im Hintergrund, aber einen ausreichenden Schärfebereich am Objekt (auch wenn dies nur wenige Millimeter sind).
  • Hilfreich ist es, manuell zu fokussieren. Falls das Objekt zu schnell ist oder Du nur sehr kurze Zeitspannen hast, kannst du auch den Autofokus benutzen. Stelle diesen auf „Nachverfolgung“ (Nikon: AF-C). Die Kamera zieht dann den Fokuspunkt bei Bewegung nach und stellt automatisch bei jedem Auslösen neu scharf.
  • Aktiviere die Serienbildaufnahme deiner Kamera, um so bei Fokus-Nachverfolgung viele Bilder machen zu können.

 

Exkurs: Schärfentiefe – oder: Warum so wenig scharf ist…

 

 Eine Fotografengrundregel ist:
"Je kleiner die Blende, desto schärfer ist das Foto."
Nun ja und nein.

 

 

Denn mit sehr großen Blendenzahlen bei kleiner Blende (meistens ab Blende 16 aufwärts) kommt es zu Beugungsunschärfen. Das bedeutet, ihr habt zwar einen großen und durchgehenden Schärfentiefebereich im Bild, die Qualität der Schärfe ist aber nicht optimal. Feine Strukturen werden nicht mehr gut abgebildet.

 

 

Die Optimale Blende ist abhängig von Situation und Objektiv, oftmals sagt man die geringste Blende minus 3 Blenden ergibt die optimal schafte Abbildung eines Objektivs (bei einer kleinsten Blenzahl von 2.8 wäre dies Blende 8.)

 

 

Für die Makrofotografie, in der es auf die Schärfe ankommt, ist daher die optimale Blende oder etwas in der Nähe darum herum (Blende 5,6-11) empfehlenswert. Da der Schärfentiefebereich dann oft nur sehr klein ist, empfiehlt sich das Focus Stacking, um durchgehende Schärfe aus mehreren Aufnahmen herzustellen.

 

Oder: Falls das nichts für Dich ist: Probiere immer, die Objekte so zu positionieren, dass sie sich parallel zur Kamera befinden. So liegen sie auf einer Schärfenebene und sind durchgehend scharf, auch bei größeren Blenden!

 

Vorher: Ein Einzelfoto mit Fokus auf das Auge [1/250s, f/4,5, ISO 320]. Da der Grashüpfer nicht parallel zur Linse sitzt, sondern nach vorne und Hinten in das Bild reicht, entstehen schnell unscharfe Bereiche durch geringe Schärfentiefe.
Vorher: Ein Einzelfoto mit Fokus auf das Auge [1/250s, f/4,5, ISO 320]. Da der Grashüpfer nicht parallel zur Linse sitzt, sondern nach vorne und Hinten in das Bild reicht, entstehen schnell unscharfe Bereiche durch geringe Schärfentiefe.
Nachher: 4 Einzelaufnahmen in Helicon Focal "zusammengestackt" und bearbeitet (RAW-Format).
Nachher: 4 Einzelaufnahmen in Helicon Focal "zusammengestackt" und bearbeitet (RAW-Format).

Focus Stacking

 

bedeutet, dass ähnlich wie bei einem HDR-Bild oder einem Panorame mehrere Aufnahmen eines Objekts „zusammengerechnet“ werden.

 

 

Dazu eignen sich Programme wie Photoshop CC oder Helicon Focus.

 

 

Wichtig beim Fotografieren ist, dass Du ein Stativ benutzt und die kamera nicht bewegst, da Du einen immer gleichen Bildausschnitt benötigst. Benutze bei längeren Belichtungszeiten unbedingt einen Fernauslöser und Stelle die Spiegelvorauslösung an der Kamera ein, um jedes Wackeln zu vermeiden.

 

Fokussiere dann auf ein Bereich des Objekts und löse die Kamera aus. Dies wiederholst du, indem du am Fokusring drehst und auf einen weiter hinten oder vorne liegenden Bereich des Objekts fokussierst. Benutze dabei die Vergrößerung des Kameradisplays, um genau zu sein. Wenn du jeden Bereich deines Objekts einmal scharf aufgenommen hast, lade die Dateien in einen Konverter (wenn du im RAW-Format fotografierst). Bearbeite sie, falls du möchtest (bei RAW-Bildern empfohlen. Achtung: Du musst die gleiche Einstellung auf alle Bilder der Serie anwenden). Exportiere die Bilder als JPG-Format und lade Sie in eines der Programme, welche das Bild dann verrechnen.

 

 

MERKE:

Je mehr Einzelbilder du aufnimmst, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei der Verrechnung Fehler (sog. „Halos“) auftreten
(für den Anfang reichen sicher 4-7 Einzelbilder je nach Objekt aus).

 

Focus Stacking in Photoshop

Schritt 1: Wähle über den Reiter »Datei« den Punkt »Automatisieren« und dann »Photomerge«. Deaktiviere bei den vier Optionen unten alle Häken. Klicke dann auf  OK.

 

 

 

 

 

Schritt 2: Photoshop lädt deine Auswahl an Einzelbildern als einzelne Ebenen.

 

 

 

 

 

 

Schritt 3: Markiere in der Ebenen-Übersicht alle deine Foto-Ebenen. Wähle dann über den Reiter »Bearbeiten« den Punkt »Ebenen automatisch überblenden...«. Photoshop überblendet dann die Fotos basierend auf dem Inhalt so, dass sie genau übereinander liegen.

 

 

Schritt 4: Bei ebenfalls markierten Ebenen wähle nun im Menü »Bearbeiten« den Punkt »Ebenen automatisch überblenden«. Wähle dort »Bilder stapeln«. Der Haken bei »Nahtlose Farben und Töne« sollte gesetzt sein. Nachdem Photoshop die Bilder gestapelt hat, kannst Du sie noch bearbeiten und das Foto anschließend abspreichern.


Ich hoffe, dieser Beitrag war ein bisschen informativ für dich!

Ich freue mich über Kommentare :).


Mach’s gut und viel Spaß beim Ausprobieren.

 

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