Landschaftsfotografie bei Sonnenauf- und untergang - Wie ich fotografiere und meine Fotos bearbeite

Obersee und Viadukt bei Sonnenaufgang in Bielefeld: Helligkeitsunterschiede zwischen Boden und Himmel erfordern Deine Aufmerksamkeit beim Fotografieren!
Obersee und Viadukt bei Sonnenaufgang in Bielefeld: Helligkeitsunterschiede zwischen Boden und Himmel erfordern Deine Aufmerksamkeit beim Fotografieren!

 

Fotos zu Sonnenauf- und -untergang haben oft einen WOW-Effekt.

 

Sie sind beliebt. Sie kreieren eine interessante Atmosphäre am Tag - denn diese gibt es pro Tag nur zweimal.

Neben dem Umstand, dass man dafür je nach Jahreszeit sehr früh oder früh aufstehen muss oder lange draußen unterwegs ist, sind Fotos zu dieser Zeit besonders im Gegenlicht nicht leicht aufzunehmen.

 

Wie das trotzdem gelingt, erfährst du in diesem Beitrag.

Dynamic Range und Helligkeit


»Sowohl bei bewegten Bildern in Film und Video als auch in der Fotografie bezeichnet der Dynamikbereich (synonym: Dynamikumfang; engl.: dynamic range) den Quotienten aus größtem und kleinstem von Rauschen bzw. Körnung unterscheidbaren Helligkeitswert. [...]

 

[...] Auch hier ist festzustellen, dass der Dynamikbereich des Motives (auch Motivkontrast) den der technischen Einrichtungen zur Aufnahme (Kamera, Sensor) zur Übertragung sowie zur Wiedergabe (Leinwand, Bildschirm, Papier usw.) oft weit überschreitet. [...] «
(aus: Wikipedia.org)


Was bedeutet dies nun für das Fotografieren bei Sonnenauf- und -untergang?

 

Ganz aus der Praxis gegriffen bedeutet dies, dass das Farb- und Helligkeitsspektrum des Motivs zu breit gestreut ist, als dass die Kamera beziehungsweise der Sensor moderner Digitalkameras dieses abbilden kann.
Besonders am Abend und in der Dämmerung zuvor schwindet das Licht, das heißt die Helligkeit. Dies vollzieht sich auf und am Boden deutlich schneller als im Himmel. Dieser ist noch länger von der untergehenden (oder früher von der aufgehenden) Sonne erleuchtet. Umso mehr gilt dies, wenn du die auf- oder untergehende Sonne im Gegenlicht fotografieren willst. Sie verleiht dem Himmel eine sehr große Helligkeit.


Fotografierst du nun so, dass der Bereich des Himmels passend ausbelichtet ist, "säuft der Boden ab": Bedeutet die Schwarz-Werte sind dort so hoch, dass in diesem Bildbereich keine Farbe mehr enthalten ist:
Es entsteht das typische Shilouthetten-Foto (oder fotografisch: der Schattenriss). Rein schwarze Bereiche kennzeichnet die Warnungsfunktion von Lightroom mit blauer Markierung:

Screenshot aus Adobe Lightroom.
Screenshot aus Adobe Lightroom.

Will man Silhouetten vermeiden...

wie bei dem folgenden Foto von der Sparrenburg unten, gibt es mehrere Möglichkeiten:

 

  1. Einen Filter nutzen: Diese analoge Variante wird oft bevorzugt: Ein sogenannter Grauverlaufsfilter wird vor dem Objektiv angebracht. Der dunkelt die Helligkeit des Himmels ab und gleicht sie der des Bodens an. So ist eine Belichtung für beide Bildbereiche möglich.

  2. HDR (engl.: High Dynamic Range) ist eine möglichkeit - oft automatisiert in einem kameraprogramm, Handy etc. - verschiedene Dynamikbereiche abzubilden und verrechnen zu lassen. Dies funktioniert auch, wenn du bspw. drei Belichtungen erstellst, orientiert an der Belichtungswaage im Kameradisplay,  und diese in Bearbeitungsprogrammen wieder zusammenfügenlässt (als HDR).

  3. Eine weitere Möglichkeit, die ich dir heute vorstelle, ist das manuelle überblenden von zwei genau belichteten Fotos.
    Aber vorab: Dies eignet sich vor allem für Fotos, welche einen gleichmäßig geraden Horizont haben (gilt übrigens dann auch für Punkt 1).

Variante 3 kann dann aussehen wie hier:

 

Die beiden Belichtungen sind im Bild oben übereinander gelegt. Dies geht in Adobe Photoshop.
Die beiden Belichtungen sind im Bild oben übereinander gelegt. Dies geht in Adobe Photoshop.

Oben siehst du zwei Fotos, welche aufgenommen wurden, um einmal den Boden und die Mauer der Sparrenburg richtig zu belichten und einmal den Abendhimmel. Die Belichtungszeit beim Bodenbereich ist länger (0,4 Sekunden) als bei dem Foto, was den Himmel korrekt ausbelichtet (1/13 Sekunden, d.h. nur 1/4 der Zeit).
Genauso funktioniert dies auch bei dem Foto vom Obersee oben!

Beispielbild mit Kameraeinstellungen: Sonnenaufgang am Obersee (finales Foto ganz oben im Beitrag).
Beispielbild mit Kameraeinstellungen: Sonnenaufgang am Obersee (finales Foto ganz oben im Beitrag).

Die Nachbearbeitung

Wichtig: Es muss natürlich vom Stativ gearbeitet werden um einen exakt gkleichen Bildausschnitt zu gewährleisten und Fehler beim Übereinanderlegen zu meiden.

 

Bilder überblenden: Dies erkläre ich hier nur noch kurz für Adobe Photoshop:

  1. Beide Bilder in Photoshop "als Ebenen öffnen" (in Lightroom per Rechsklick und "Bearbiten in").
  2. Beide Bilder in der "Ebenenansicht" in Photoshop markieren und unter "Bearbeiten" dann "automatisch ausrichten" auswählen und bestätigen.
  3. Dann wähle ein Bild aus. Dies Bild wirst du erst unsichtbar, dann wieder sichtbar machen.
    Dies geschieht über eine Ebenenmaske mit Grundafrbe schwarz: Drücke dazu bei ausgewählter Ebenen im Ebenenpanel

  Das unter deinem ausgewählten Bild als Ebene liegende Bild wird wieder sichtbar.
  Du kannst nun mit einem Verlauf (G) von schwarz nach weiß durch die weiße Farbe die Ebene
  des zuvor ausmarkierten Bildes wieder "zurückholen"
  Ziehst du den Verlauf etwas über den Horizont hinaus, erhälst du einen weichen, harmonischen
  Übergang und korrekte Belichtungen in beiden Bildteilen!

 

Den finalen Schritt, das Feintuning von Farben, Weißabgleich und Schärfe, mache ich mit dem Tool NIK COLOR EFFEX (Downloadpage), ein kostenlooses Tool von Google, das in Photoshop eingebunden wird (als Plugin).

Feinabstimmung mit der NIK Collection von Google: NIK Color Effex.
Feinabstimmung mit der NIK Collection von Google: NIK Color Effex.

 

MEHR?

Eine Beschreibung mit Screenshots gibt es nächsten Monat, dann kommt noch ein weiterer Blogbeitrag zur Nachtfotografie in Salzburg online und auch dort kann man diese Technik anwenden!
Schau also gerne immer mal wieder vorbei! Fragen? - In die Kommentare ;-).

 


Viel Spaß beim Fotografieren,
Dein Rico

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Rico Dumcke - Fotografie & Design. Alle Rechte vorbehalten®

Alle Rechte an den hier verwendeten und gezeigten Fotografien liegen bei mir und dürfen ohne meine Zustimmung nicht an Dritte weiterverbreitet werden.

Share Buttons

Social Media


 Webseiten-Icons: Copyright 2017, Alexander Madyankin, Roman Shamin, Lizenz: MIT