Events, Kirmes, Märkte - Langzeitbelichtungen auf Straßenfesten

Die illuminierte Leineweber-Statue auf dem Leinewebermarkt 2017 am Abend.
Die illuminierte Leineweber-Statue auf dem Leinewebermarkt 2017 am Abend.

Öffentliche Feste: Kein einfaches Fotografen-Pflaster!

Ihr kennt das sicher alle: Öffentliche Veranstaltungen, tolle Motive, tolle Lichteffekte, etc...
Da würde man gerne tolle Fotos machen, aber so einfach ist das immer nicht.
Was ist mit dem Menschen im Bild? Darf ich die zeigen? Oder nicht?
Wie fotografiere ich Beleuchtung abends am Besten? Was muss ich mitnehmen?

Das versuche ich in diesem Blogbeitrag ein wenig für Dich zu beantworten.

Lichtstimmungen einfangen: Wie?

Bei vielen Events ist es besonders lohnenswert, abends, zur goldenen und blauen Stunde kurz vor und nach Sonnenuntergang zu fotografieren (wann das ist, kannst du auf den Wetterportalen oder mit Apps überprüfen; ich nutze z.B. Sunrise Sunset für Android).

 

Mit oder ohne Stativ los?

Wenig Licht bedeutet lange Belichtungszeiten (natürlich wenn du kein ISO-Rauschen durch die Erhöhung des ISO-Wertes haben willst). Lange Belichtungszeiten zwingen dich dazu, ein Stativ mitzunehmen!
Das mag nicht so angenehm sein, wie ohne loszugehen, dafür sind die Fotos hinterher um ein vielfaches besser.

 

Lange Belichtungszeiten haben zahlreiche Vorteile! Besonders auf Stadtfesten und bei Orten, wo Wasser im Spiel ist!

Lichtzieher, Spiegelungen und Brunnen

1. Riesenräder oder Karussells sind meistens sehr bunt beleuchtet. Diese Lampen verwischen bei langen Belichtungszeiten. Ab 3-4 Sekunden erhält man schöne Lichtzieher, z.B. in Kreisform oder von links nach rechts, je nachdem, was ihr fotografiert. Das Leineweber Riesenrad steht immer am Ratsgymnasium: Vor seiner Fassade wird es mit einer Langzeitbelichtung zum "Lichtrad":

Riesenrad bei Dämmerung: Durch die Belichtungszeit ziehen die Lichter kreisrund (4 sec., f/16, ISO 100).
Riesenrad bei Dämmerung: Durch die Belichtungszeit ziehen die Lichter kreisrund (4 sec., f/16, ISO 100).

2. Um das noch zu toppen, benötigst du etwas Glück und Wasser: Lichter können sich besonders schön Spiegeln: Werden die Lichter nämlich mit einer längeren Verschlusszeit von über 2 Sekunden etwa fotografiert, dann kommt ein weiterer Effekt zum Tragen: Die Eigenschaft, dass Wasser bei langer Belichtungszeit "glatt gezogen" wird. Wellen sind nicht mehr sichtbar. Dadurch wird die Spiegelung umso klarer. Hier sieht man das Riesenrad zur Blauen Stunde, welches sich im Wasser des Kunsthallenpark-Wasserbeckens spiegelt.


Ein zweites Beispiel von den Nachtansichten 2016: Das bunt angeleuchtete Rathaus spiegelt sich im Wasser des Brunnes am Niederwall: Besonders schön ist hier der KOnstrasteffekt zwischen dem Rotorange und dem türkisblau des Wassers. Diesen habe ich in der Nachbearbeitung nochmals hervorgehoben (via Dynamik- und Sättigungsregler für die beiden Farben)

3. Higlight beim Leinewebermarkt ist: Na klar, die Leineweber-Statue.
Sie wird samt dem Brunnen in wechselnden Farben bunt angeleuchtet. Die Farben wechseln sogar passend zur Musik.
Grund genug, mich daran als Fotograf zu probieren. Denn die Langzeitbelichtungen am Abend macht es möglich, das Wasser im Brunnen und auch die Wasserstrahlen weichzuzeichnen und so eine schöne Dynamik in das Bild zu bringen und die Bewegung des Wassers zu vermitteln.


Dieses Gefühl, beobachtet zu werden

Die Hauptschwierigkeit bei der Fotografie des Leinewebers waren natürlich die zahlreichen Besucher.

Zum einem natürlich, weil Du dort - mit Kamera und Stativ sofort auffällst und beäugt wirst: Was macht der da, dieser "komische Typ" mit der Kamera. Ist ein komisches Gefühl, immer wieder. Ich ertappe mich dabei, zu denken, dass aller Blicke auf mir Lasten man komisch über mich denkt ... Aber willst Du dieses Foto haben, tja, irgendwie musst du dich dann von deinen Befürchtungen und Hemmungen frei machen!

 

» EGAL WAS DIE LEUTE DENKEN!«

 

Hinterher wirst Du dann mit tollen, fabigen Fotos belohnt und Du freust dich über die erfolgreiche Fototour. Daher mein Rat: Mach einfach, was Du willst. Manchmal kannst du so sogar ins Gespräch kommen, häufig kommen dann auch Leute zu deiner Position und machen selbst Fotos ("ist sicher ein guter Ort").

Die Besucher haben zudem auch einen schönen Effekt: Sie zeigen dem Betrachter hinterher, dass die Stimmung gut war, denn es war viel los. Es kann sich also lohnen sie in Dein Bild einzubinden (siehe dazu aber Rechtliches unten).
Doch es kann die auch passieren, dass Leute dich ansprechen, was du dort machst, ob du von der Presse bist und dass sie nicht auf einem Foto sein wollen. Das musst du respektieren. Wichtig ist also, sich auch mit dem "Recht am eigenen Bild" auszukennen, wenn du im öffentlichen Raum fotografierst!

Rechtliches

Panoramafreiheit

Die Panoramafreiheit ist eine Regelung, welche besagt, dass auch urheberrechtlich geschützte Werke (meistens Bauwerke oder Statuen, Denkmäler, etc...), fotografiert, vervielfältigt und veröffentlicht werden dürfen - auch zu gewerblichen Zwecken:

(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.
(2) Die Vervielfältigungen dürfen nicht an einem Bauwerk vorgenommen werden.

Wichtig ist dabei der Grundsatz der Dauerhaftigkeit und der Öffentlichkeit.
Öffentlich bedeutet vom öffentlichen Straßenraum aus. Dies umfasst auch Anlagen, die Eigentum der Gemeinden und der Länder in Deutschland sind (außer Fotografieren ist dort ausdrücklich verboten!)

Dauerhaft bedeutet, dass es nicht nur eine bspw. temporäre Ausstellung ist.

 

Aber Vorsicht: Die Panoramafreiheit gilt grundsätzlich nicht in geschlossenen Gebäuden und Räumen, auf Privatgrund oder in zahlreichen europäischen Ländern (wie Frankreich und Italien). Nicht davon Betroffen sind aber Bauwerke oder Gebäude, deren Rechteinhaber mehr als 70 Jahre verstorben ist (wie bspw. das Kolosseum). Auch der Konstrukteuer des Eifeltturms ist 1923 gestorben, aber Achtung: Die Beleuchtung ist viel jünger und diese ist rechtlich geschützt! Das bedeutet, Fotos am Tag ja; Fotos am Abend: nur für private Zwecke ;-).

Das Recht am eigenen Bild

Jede Person hat das recht, über Fotoaufnahmen, auf denen sie erkennbar abgebildet ist, selbst zu entscheiden: Ohne Zustimmung darf niemand ihr Bild veröffentlichen oder sogar kommerziell verwerten! Und das Kriterium der Erkennbarkeit kann bereits durch (auffällige) Kleidung oder die Haltung erfüllt sein, selbst wenn die Gesichtszüge nicht abgebildet sind!

Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, daß er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt. Nach dem Tode des Abgebildeten bedarf es bis zum Ablaufe von 10 Jahren der Einwilligung der Angehörigen des Abgebildeten. Angehörige im Sinne dieses Gesetzes sind der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner und die Kinder des Abgebildeten und, wenn weder ein Ehegatte oder Lebenspartner noch Kinder vorhanden sind, die Eltern des Abgebildeten.

Ausnahmen stellt der § 23 (1) dar:

(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:
  1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
  2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;
  3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;
  4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient. [...]

Interessant davon sind eigentlich nur Punkt 2 und 3.

Beiwerk wird dabei so definiert, dass die Bildaussage druch die abgebildeten Personen nicht verfälscht oder verändert wird: Dies wäre bspw. nicht der Fall, wenn ein sich küssendes Pärchen vor einem Sonnenuntergang fotografiert wird. Beiwerk zeichnet sich auch dadurch aus, dass es nur einen sehr geringen Anteil an der Gesamtabbildung hat. Ist bspw. in der Ferne ein Person am Srand zu sehen, würde dieses Bild ziemlich sicher unter Punkt 2 fallen. Aber wie s oft: Der Einzelfall entscheidet. Überlege daher vor dem "Posting" genau, ob das rechtlich in Ordnung ist!

Punkt drei ist im Grund selbsterklärend: Auch hier gilt, dass die Personen "Nebensache" sein müssen.
Dies wäre auf dem unten gezeigten Foto der Fall, denn deutlich im Fotos stehen der Leineweber und die Lichtshow. Doch auch hier ist es besser die Personen, die trotz Langzeitbelichtung zu erkennen sind, in der Nachbearbeitung unkenntlich zu machen (bspw. Verwischen oder Weichzeichnentool).

Der Leineweber steht im Fokus. Die personen unten im Vordergrund sind Beiwerk. Dennoch habe ich sie sicherheitshalber nochmals unkenntlich gemacht.
Der Leineweber steht im Fokus. Die personen unten im Vordergrund sind Beiwerk. Dennoch habe ich sie sicherheitshalber nochmals unkenntlich gemacht.

Lengzeitbelichtung und Recht

Und um zum Schluss zu kommt hier noch der alles verbindende Tipp:
Lasse doch durch Langzeitbelichtung sich bewegende Personen geschickt verschwimmen. Das zeigt dem Betrachter die Dynamik und Bewegung der Szene und löst zugleich das Problem mit der abbildung von Personen. Denn alle um Erlaubnis fragen kannst Du sicher nicht!

Ich hoffe das war ein wenig interessant und informativ für dich!

Dein Rico

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