Bewegte Bilder: Zeitrafferaufnahmen [Timelapses] - mein Workflow

Timlapse Aufnahme: Sie besteht aus 350 Aufnahmen, die alle drei Sekunden aufgenommen wurden.

Timelapse: Was ist das Überhaupt?

Timelapse [engl.: Zeitraffer]
"... ist eine filmische Methode zur Beschleunigung der Langzeitaufzeichnung von Bewegungs-abläufen, bei der die Bildfrequenz (Bildrate) der Aufnahmekamera im Verhältnis zur Abspielfrequenz herabgesetzt wird. Werden die Aufnahmen dann mit normaler Geschwindigkeit abgespielt, scheint der aufgenommene Vorgang schneller abzulaufen. Dadurch werden auch Änderungen sichtbar, die in Echtzeit aufgrund ihrer langsamen Natur vom Menschen nicht oder nur schwer wahrnehmbar sind.  "                                                                   (Wikipedia.org/Zeitraffer)

Eine Timelapse-Aufnahme zu erstellen ist nicht schwer.
Der Effekt ist jedoch umso beeindruckender.
Hier möchte ich Euch erklären, wann sich solche Aufnahmen eignen, wie sie funktionieren und vor allem, wie man sie in der Nachbearbeitung zusammenfügt.

Der Effekt

Ein Film besteht aus nichts anderem als schnell hintereinanderfolgenden Einzelaufnahmen. Dass das menschliche Auge dies als eine fließende Bewegung wahrnimmt beruht auf zwei Prozessen.
Der psychologische Stroboskopeffekt und die physiologische Nachbildwirkung.

 

Der Stroboskopeffekt umfasst das Phänomen, das eben durch ein Stroboskop ausgelöst wird: Licht- und Dunkelphasen wechseln sich ab. Genauso werden im Film oder der Timelapse die Einzelbilder durch kurze Schwarzblenden getrennt. Die feinen Unterschiede der Einzelbilder (Details, Tonwert, etc.) nimmt unser Gehirn so als Bewegungen wahr. Ohne diese Unterbrechung könnte unser Gehirn die einzelnen Phasen einer Bewegung nicht als solche wahrnehmen.

Der zweite Effekt hängt mit der Trägheit unserer Netzhaut zusammen. Durch diese Trägheit,oder genauer, durch die Dauer, die es benötigt, bis der optische Lichtreiz wieder abgeklungen ist, kann das menschliche Auge die Einzelbilder verschmelzen lassen.

 

Beide Effekte zusammen erst, lassen Bewegtbilder entstehen, in denen auch die Bewegungsphasen erkennbar sind und welche nicht abgehackt wirken. Für diesen Prozess reichen etwa 12 Bilder/Sekunde aus. Filme nutzen meistens 24 Bilder/Sekunde, Videospiele oftmals doppelt so viele. Timelapse-Aufnahmen sollen zwischen 25 und 30 Bilder/Sekunde ausgeben.

Vorteile - Nachteile?!

Ein klarer Nachteil der Timelapse-Fotografie ist: Sie ist sehr zeitaufwändig. Ein Rechenbeispiel
Angenommen eurer Ziel sind 10 Sekunden Film.
Dafür benötigt ihr dann 10 x 25 Bilder: 250 Einzelfotos.
Je nach Verschlusszeit und Blende könnt ihr nun eine bestimmte Anzahl an Fotoaufnahmen pro Minute erstellen. Angenommen ihr nehmt in einem 3 Sekunden Intervall Fotos auf, erstellt ihr 20 Aufnahmen in einer Minute. Im Endeffekt seid ihr dann also 250/20 = 12,5 Minuten beschäftigt.

  • Angenommen ihr wollt stärker raffen: Ihr nehmt nur alle 4 Sekunden ein Foto auf. Dann seid ihr schon bei knapp 17 Minuten.
  • Wollt ihr einen doppelt so langen Film erstellen benötigt ihr auch doppelt so viele Fotos: 500 Einzelaufnahmen dauern bei einem 3 Sekunden Intervall gute 25 Minuten.

Ihr seht, dabei kann man schon fast einen Klappstuhl mitnehmen und etwas schönes Lesen. Sehr entspannt ;-).

 

Ein großer Vorteil der Zeitrafferaufnahme ist, dass

  • man Phänomene und Vorgänge sichtbar macht, die man sonst aufgrund ihrer langen Dauer nicht wahrnehmen kann,
  • dass eine sehr schöne Dynamik entsteht, welche viel lebender ist als eine Momentaufnahme.
  • sich einzelne Sitationen besonders eignen, andere wiederum nicht. Stillleben sind für Zeitraffer nicht interessant genug, es muss Bewegung im Bild sein: Klassiker sind Szenen in der Stadt, wo sich Menschen und Verkehr bewegen oder ziehenden Wolken, besonders bei Sonnenauf- und untergang.

Intervall an der kamera einstellen

An der Kamera könnt ihr (bei Nikon: im Menü unter Aufnahmen und Intervall) alle Einstellungen für eine Timelapse Aufnahme vornehmen. Eingeben müsst ihr dort die gewünschte Anzahl an Einzelbildern sowie den Abstand zwischen den Aufnahmen (Intervall).

Wichtig: Bevor ihr dies tut, macht euch bitte Testfotos, um zu schauen, welche Belichtung korrekt ist. Entscheidet über Verlusszeit, Blende und ISO-Wert. Da die meisten Timelapse-Aufnahmen in der Landschaft oder Stadt entstehen, sind eine geschlossenere Blende und niedrige ISO-Werte sinnvoll. Als Aufnahmeart empfehle ich euch RAW, das gibt euch beim Zusammensetzen der Bilder mehr Spielraum.

Bei der Verschlusszeit gilt in der Filmbranche der Faustregel 1/50stel. Diese Einstellung kann bei einem 4 Sekunden-Intervall dazu führen, dass manche Bilder, durch die verstrichene Zeit abgehackt wirken und die Übergänge unsauber sind: Daher ist oft eine längere Belichtung von weniger als 1/30stel sinnvoll, auch damit die Bewegungen (Menschen, Autos, Wolken, etc...) dynamischer werden und leicht verwischen. Aber Achtung! Lasst die Verschlusszeit nicht zu lang werden, denn dann blendet ihr sich bewegende Objekte igendwann aus!
Ach: Und dass ihr ein Stativ benötigt, ist ja klar.
Bei Sonnenuntergängen könntet ihr zusätzlich einen Grauverlaufsfilter benötigen, da der Himmel meist viel heller ist, als der Vordergrund/Boden (einen Grauverlaufsfilter habe auch ich im Timelapse-Video von oben verwendet): achtet zudem auf eine nicht zu dunkle Ausgangsbelichtung, da die Helligkeit ja weiter abnimmt.

Die Nachbearbeitung - Tutorial

Ich bearbeite meine Timelapses mit einer Programmkombination aus Adobe Lightroom und der kostenlosen Version von LRTimelapse. Beide Programme interagieren miteinander und die Entwicklung einzelner Bilder aus den ganzen Aufnahmen erfolgt in Lightroom. Dafür besitzt LRTimelapse ein LR-Plugin.
https://lrtimelapse.com/download/

Zuerst wird ein Ordner mit allen RAW-Files der Intervallaufnahme erstellt.

Dieser kann dann im Bibliothekskatalog von LRTimelapse geöffnet werden und das Programm liest die Files ein (s. Foto). Links oben kannst du bereits eine Vorschau abspielen.

 

Als nächstes erzeugst du "Keyframes" (Schlüsselaufnahmen): Das sind für alle Fotos stellvertretend Aufnahmen zu bestimmten Zeitpunkten innerhalb der Sequenz, welche als Vorlage für die Entwicklung in LR dienen. Das Programm setzt diese automatisch: Mindestens zwei, eine zu Beginn, eine am Ende. Ich nutze mindestens drei, um auch einen Keyframe in der Mitte der Sequenz zu haben. Diese Keyframes werden gespeichert.

Es folgt dann die Übergabe an Adobe Lightroom, indem der entsprechende Button hinübergezogen und von LR eine Bibliothek am selben Ort durch "Hinzufügen" erstellt wird.


Die Entwicklung der RAW-Files findet anhand der Keyframes statt. Dazu wird das LRT-Plugin benötigt, welches bei der Installation von Timelapse automatisch als Ad-On integriert wird und unter dem Reiter "Scripts" oben in er Menüleiste zu finden ist.

  1. Keyframebilder sind in LR mit 4 Sterne-Bewertungen markiert und können so über "Filter" angewählt werden.
  2. Zuerst wird das erste der Keyframe-Bilder bearbeitet.
  3. Über die Funktion "Scripts/01 LRTimelapse Sync Keyframes" werden, bei Markierung der nicht bearbeiteten Keyframes(!) die Einstellungen gemäß des Helligkeitsverlaufs der späteren Bilder auf diese übertragen. Dies kannst du ebenso für die weiteren Fotos vornehmen.
  4. Um diese Metadatenänderungen in LRTimelapse zu übernehmen, wird bei Auswahl aller Keyframes mit Rechtsklick "Metadaten > Metadaten in Datei speichern" ausgewählt und wieder zu LRTimelapse gewechselt.

In LRTimelapse müsst ihr nun die Metadatenänderungen zu Helligkeit, Kontrast, Schärfe etc. für alle Aufnahmen übernehmen. Dies geschieht im Befehlsdialog oben, in der zweiten Zeile. Zuerst über "Neu laden" die Änderungen in LRTimelapse laden (Ihr seht Peaks bei der gelben Linie der Vorschau, wenn ihr bspw. die Helligkeit erhöht habt). Dann synchronisiert ihr alle Aufnahmen per Auto-Überlagerung und speichert die Änderungen.

Im Grunde seid ihr nun, bei Aufnahmen mit konstanten Helligkeitsverlauf und ohne zahlreiche (künstliche) und wechselnde Störlichter fertig mit der Optimierung (Wenn das Video flackert, gibt es weitere Optimizer, die ich aber in diesem Artikel nicht noch ausführlich beschreiben kann).

 

Ihr wechselt nun für den Export der RAW-Files nochmals nach Lightroom:

  1. Setzt dort den Filter auf "LRT4 – Full Sequence".
  2. Stellt sicher dass ihr die Rasteransicht der Bibliothek ausgewählt habt und markiert alle Aufnahmen der Sequenz (Strg+A).
  3. Per Rechtsklick importiert ihr die Metadaten aus LRTimelapse ("Metadaten/Metadaten aus Datei lesen").
  4. Geht über "Datei > Exportieren >LRTimelapse / LRT (JPG 4k)" in den Exportdialog, wählt den Ausgabepfad und exportiert die Files an den gewünschten Ort.
  5. Nach dem Export öffent sich automatisch der Renderdialog von LRTimelapse und dort erstellt ihr mit den Einstellungen eurer Wahl (Format, Qualität, etc...) das MP4-Video.
    Hinweis: In der kostenlosen Lizenz sind die Möglichkeiten eingeschränkt!
Übergabe-Pop-Up nach dem LR-Exportvorgang.
Übergabe-Pop-Up nach dem LR-Exportvorgang.
Der Renderdialog von LRTimelapse.
Der Renderdialog von LRTimelapse.

Und nun: Dir viel Spaß und Erfolg bei denen Timelapses!

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